Archive for the ‘Zeichnung’ Category

Zum Tode von Ronald Searle – ein begnadeter Zeichner

Wednesday, January 4th, 2012
Ronald Searle

Ronald Searle

Der britische Künstler und Illustrator Ronald Searle ist gestorben. Er verstarb am 30. Dezember 2011 im Alter von 91 Jahren nach kurzer Krankheit in Südfrankreich, wo er seit 1977 lebte – bereits 1961 ist er nach Paris ausgewandert. Seine “Illustruierte Weinsprache” ist ein Beleg dafür, wie sehr Ronald Searle die französische Lebensart verinnerlicht hatte. Ich persönlich bin vor ca. 25 Jahren über den französischen Zeichner Jean-Jacques Loup auf Searle aufmerksam geworden. Loup ist vielen vermutlich von den berühmten Wimmelbildern bekannt, von denen es zahlreiche Motive als Puzzles zu erwerben gibt. Ronald Searle hat 115 Bücher illustriert – kilometerlange Linien, wie er selber sagte… (more…)

Zeichnen lernen IV: Schraffieren (Schraffuren zeichnen)

Sunday, February 6th, 2011
Beispiel für Schraffuren: Melencolie von Dürer

Beispiel für Schraffuren: Melencolie von Dürer

Diese online-Tutorial richtet sich an Anfänger und Einsteiger, es ist der vierte Teil der Serie “Zeichnen lernen” – und hier geht es um Flächen. Wie in den ersten Teilen beschrieben (1: “Grundausstattung“, 2: “Vom Auge zur Hand“, 3: “Mit Raster von Vorlage abzeichnen“), ist es am einfachsten und effektivsten, zeichnen mit dem Bleistift zu erlernen. Die Bleistiftlinie ist immer eine Linie. Statt die Flächen einfach dunkel auszumalen, kann man sie auch schraffieren. Das Schraffieren ist eine Jahrhunderte alte Tradition, die eine Zeichnung lebendig macht. Das Prinzip der Schraffur kommt ursprünglich aus der Druckgrafik (Holzschnitt, Kupferstich etc.). Dunkle Flächen wurden dabei mit Linien erzeugt. Aber auch in der Zeichnung ist die Schraffur schon seit Jahrhunderten eine beliebtes Stilmittel.

Eine Schraffur ist also nicht nur ein handwerkliches Arbeitserzeugnis, sondern ein künstlerisches Stilmittel.

Beispiel für Schraffur: Hände (Detail aus zeichnungen nach Dürers Erasmus)

Beispiel für Schraffur: Hände (Detail aus zeichnungen nach Dürers Erasmus)

Die Schraffur wird im Auge lebendig

Schraffur nach einem Kupferstich von Dürer (Erasmus)

Schraffur nach einem Kupferstich von Dürer (Erasmus)

Eine Schraffur arbeitet mit dem Auge des Betrachters: Wenn man die Zeichnung aus der Nähe betrachtet, kann man die feinen Striche gut auseinander halten. Aber je weiter man sich entfernt, um so mehr setzt sich die Schraffur zu einen “Grauwert” zusammen. Das Auge kann die einzelnen Linien nicht mehr klar voneinander trennen, und so wird die Schraffur zur Fläche. (Mehr über diesen Effekt und die Sehschärfe bei Sehtestbilder.de)

Besonders werden Schraffuren natürlich in den “Schattenbereichen” benutzt, dort, wo es in der Zeichnung dunkel sein soll. Durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten entsteht Plastizität und Räumlichkeit. Und Schraffuren helfen, Plastizität und Räumlichkeit in Zeichnungen zu erzeugen. Daher werden beide Themen hier in einem Artikel zusammen behandelt.

Schraffieren: parallele Striche

Schraffur - parallele Striche (Linien)

Schraffur - parallele Striche (Linien)

Zunächst zum Schraffieren. Eine einfache Schraffur entsteht durch eine Reihe von parallel gezeichneten Linien (siehe Abbildung rechts.) Wenn Sie eine einfache Schraffur üben, dann achten Sie vor allem darauf, langsam und mit bedacht zu zeichnen. Häufig sehen Schraffuren aus, als wären sie sehr schnell hin gezeichnet worden. Das mag bei den großen Meistern auch so gehen, aber gerade Anfänger sollten sehr langsam beginnen. Die Geschwindigkeit ist kein Qualitätskriterium für die fertige Zeichnung. Dort werden nur Linien zu sehen sein. Und für den Anfang gilt: je sauberer die Linien, desto besser der künstlerische Effekt. (more…)

Zeichnen lernen III: Mit Raster von Vorlage abzeichnen

Tuesday, February 1st, 2011
Zeichnung: Jaguar (Oldtimer)

Zeichnung: Jaguar (Oldtimer)

Dritter Teil des kostenlosen Online-Tutorials “Zeichnen lernen”: mit Hilfe eines Rasters eine Vorlage abzeichen. Und auch diesmal geht es nicht nur um handwerkliche Fähigkeiten, sondern vor allem auch um das, was man dabei begreifen kann. Abzeichnen ist von vielen Hobbykünstlern verrufen. “Abzeichnen ist keine Kunst” oder so ähnlich. Und natürlich stimmt das: Abzeichnen ist eine Zeichenübung, bei der das Lernen im Vordergrund steht. Die Qualität des Bildes hängt beim Abzeichnen entscheidend von der Qualität der Vorlage ab. Sie sollten also nach wie vor bescheiden sein und nicht zu viel von sich selbst erwarten. Die Qualität Ihrer Zeichnungen wird mit zunehmender Erfahrung steigen. Und wenn Sie den Zeichen-Tutorials hier im Künstlerbedarf-Blog folgen, wird diese Lernphase nicht allzu steinig.

Vorlage zum Abzeichnen vorbereiten

Für den heutigen Tag brauchen Sie eine Vorlage. Das kann ein Foto sein, oder ein Bild aus einer Zeitschrift. Was auch immer. Aber Achtung: es sollte ggf. eine Kopie sein, denn die Vorlage wird am Ende nicht mehr so aussehen wie vorher. Ihre Vorlage sollte nicht kleiner als ein Passfoto sein. Außerdem brauchen Sie ein Lineal (mind. 30 cm), eine Nadel und einen Cutter (sehr scharfes Messer) oder eine Schere.

Die Methode, die im Folgenden beschrieben wird, ist das Abzeichnen mit Hilfe eines Rasters. Grob vereinfacht: sie zeichnen ein Raster auf die Vorlage und ein Raster auf ihr leere Blatt Papier. Und dann übertragen Sie jedes Raster-Kästchen einzeln auf das Papier. (more…)

Zeichnen lernen II: “Vom Auge zur Hand” (online Tutorial)

Thursday, January 27th, 2011
Zeichnung Fussballschuh

Zeichnung Fussballschuh

Diese ist der zweite Teil des online-Tutorials “Zeichnen lernen“. Gestern ging es um die Grundausstattung fürs Zeichnen (also Papier, Bleistifte, Arbeitsplatz, Kennenlernen des Materials): siehe “Zeichnen lernen I: Grundausstattung (online Tutorial)“. Heute geht es um die Hand bzw. das, was die Hand macht. Üblicherweise denkt man, dass man nur mit der Hand zeichnet. Aber das stimmt nicht. Man zeichnet in erster Linie mit dem Kopf, dann kommen die Augen, und dann erst die Hand. Ok, klar, natürlich ist “Zeichnen” das Zusammenwirken von Gehirn, Augen und Hand. Ich unterscheide diese drei Instanzen nur deshalb, weil es didaktisch Sinn macht. Wenn man begreift, dass alle drei Instanzen im Lernprozess wichtig sind, wird man schneller vorankommen und einen größeren Lernerfolg haben.

Los gehts! Wie in Teil 1 beschrieben: setzen Sie sich mit drei (oder mehr) Bleistiften an ihren Zeichentisch, der gut beleuchtet sein sollte. Vor Ihnen liegt ein DinA3 Blatt (oder größer).

Übung 1: “Sich frei zeichnen” (Aufwärmtraining)

Der Beginn jeder Zeichenübung sollte ganz einfach und frei von bildnerischen Zielen sein. Zeichnen Sie einfach wilde Forme und Striche, Kreise, Bögen, Formen etc. Alles ist richtig, nicht ist falsch. Dieses “sich frei zeichnen” sollten Sie auch in Zukunft immer machen. Es geht dabei nur darum, Körper und Geist zu lockern. Es ist so eine Art “Aufwärmtraning“. Achten Sie darauf, wie Bleistifte und Papier zusammenwirken. Und achten Sie auf unterschiedliche Intensität beim Zeichnen: sehr sanft und sehr hart. Welche Linie hinterlässt welche Wirkung?

Warmzeichnen (Zeichnen lernen Tutorial)

Warmzeichnen (Zeichnen lernen Tutorial)

Diese erste Übung sollte ca. 10 – 15 Minuten dauern. Mit zunehmender Erfahrung können Sie diese Zeitspanne verkürzen. Das Ergebnis zählt nicht. Haben Sie keine Skrupel, das erste Blatt anschließend weg zu werfen. Aber auch wenn Sie das tun: vergessen sie nicht, dass dieses “Aufwärm-Zeichnen” sehr, sehr wichtig ist. Gerade auch deshalb, weil Sie hier ganz ungezwungen spielerisch experimentieren können. Auch Jahre später werden Sie immer noch Dinge in dieser Aufwärmphase lernen können. (more…)

Zeichnen lernen I: Grundausstattung (online Tutorial)

Wednesday, January 26th, 2011
Bleistit-Zeichnung: Stillleben mit Geige

Bleistit-Zeichnung: Stillleben mit Geige

Wie kann man schnell und einfach zeichnen lernen? Genau darum soll es in einer kleinen Serie gehen, die ich hiermit beginne. Gestern habe ich eine Tipps und Trick für Malerei-Einsteiger beschrieben (siehe “Malen für Anfänger – Erste Schritte, Tipps und Tricks“). Ich würde jedoch dazu raten, malen und zeichnen parallel zu betreiben. Grob vereinfacht: Beim Zeichnen geht es um Linien und Hell-Dunkel, beim Malen um Farbe und Intensität. Eine Zeichnung ist nicht selten Grundlage eines gemalten Bildes, und andererseits wird man beim Malen auf Fragen und Probleme stoßen, die man in einer Zeichnung viel einfacher klären kann. Dazu später mehr…

Grundausstattung – Womit zeichnen?

Beginnen wir mit dem Material. Es sollte so einfach und kostengünstig wie möglich sein. Nichts ist schlimmer, als wenn man Skrupel hat, zu experimentieren. Wer Angst hat, etwas falsch zu machen – etwa weil das Papier so teuer war -, der ist beim Zeichnen gehemmt.Vor dem Zeichnen kommt das Einkaufen – aber keine Sorge: Zeichnen ist in aller Regel im Vergleich zur Malerei sehr kostengünstig.

Zeichenpapier

Selbstportrait

Selbstportrait

Daher: einfaches Zeichenpapier, nicht zu klein. Ich würde empfehlen, nicht auf Druckerpapier zu arbeiten. Besorgen Sie besser einen Zeichenblock DinA3. Es ist gerade am Anfang wichtig, nicht nur aus der Hand, sondern aus dem ganzen Arm heraus zu zeichnen. Besorgen Sie für den Anfang ein Papier, dass nicht zu fest und nicht zu weich ist. Ich würde empfehlen, eine Papierstärke von 120-150 Gramm zu nehmen (je nach dem, was sie günstig in Ihrer Nähe bekommen).

Bleistift / Zeichenstift

Bleistift zum Zeichnen-lernen

Bleistift zum Zeichnen-lernen

Das Beste für den Einsteiger sind Bleistifte. Ich nenne bewusst den Plural: gerade am Anfang sollte man verschiedene Bleistift-Härten ausprobieren. Hintergrund: Bleistifte haben Härtegrade. Die Bezeichnungen laufen von H9 (sehr hart) über HB (mittel) zu B9 (sehr weich). Jeder Bleistifttyp bietet verschiedene Zeichen-Möglichkeiten. Um zu erkennen, welcher Typ von Bleistift für Sie am Besten geeignet ist, würde ich empfehlen, mit folgenden Bleistiften zu beginnen:

  • H3 (harte Mine, silbrig-grau, kaum Abrieb, drückt sich leicht ins Papier)
  • HB (mittelharte Mine, dunkel-grau, Standard, z.B. zum Schreiben geeignet)
  • B5 (weiche Mine, schwarz, starker Abrieb, verwischt leicht)

Sie können Sie im Fachhandel besorgen. Wenn es den genannten Stift nicht gibt, können sie auch einen ähnlichen nehmen (z.b. statt B5 einen B4). Mehr über Bleistifte (more…)