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Digitale Malerei und traditionelle Malerei im Vergleich

Nachdem ich zuletzt mehrere Artikel rund um die traditionellen Maltechniken Ölmalerei und Aquarellmalerei verfasst habe, zieht es mich langsam wieder hin zu digitalen Malerei. Wie ich auf meiner Website Zeichnen am PC schon beschrieben habe, gibt es einige fundamentale Unterschiede, die ich in diesem Artikel mal etwas beleuchten möchte. Denn so schön die Ergebnisse der analogen Malerei auch sind, der Malprozess ist in digitaler Form sehr, sehr viel praktischer…


„Jack Sparrow Speedpainting“, von Martin Mißfeldt, 20.2.2008
Digital gemalt mit Wacom Intuos Grafiktablett und Photoshop

Grafiktablett und Stift

Das ist zunächst das Werkzeug: man benutzt in der Regel ein Grafiktablett zum digitalen Malen. Dieses Grafiktablett ist sauber, glatt und stinkt nicht. Man kann keine Farbe darauf verschmieren, muss es nur alle paar Monate mal mit einem feuchten Tuch abwischen und fertig ist. Auch der „Pinsel“ – bzw. es ist eher ein Stift – ist immer sauber und in einem erstaunlich guten Zustand. Ich habe mir in den letzten 10 Jahren nur ein mal neue Pinselspitzen nachgekauft. Erstaunlich, wenn ich überlege, wie viele achte Haarpinsel ich in dieser Zeit verbraucht habe…

Keine Hand vor dem Bild

Ich male mit einem Wacom Intuos Grafiktablett. Das ist im Grunde eine graue Platte, die zwischen mir und dem Computer-Bildschirm liegt. Während ich male, schaue ich nur und ausschließlich auf den Bildschirm. Das hat zur Folge, dass meine Malhand nie vor dem Bild ist. Ich habe also quasi immer freie Sicht auf das, was ich tue. Und ich laufe nie Gefahr, mir mit dem Handrücken etwas zu verschmieren, was bereits gemalt ist.

Aus diesem Grunde nutze ich übrigens kein Cintiq-Grafiktablett. Bei diesen Modelle malt man zwar auch digital, aber quasi direkt auf den Bildschirm. Ich hatte das für ein paar Wochen versucht, aber ich konnte mich nicht daran gewöhnen. Ich habe mir dann stattdessen ein neues Intuos-Grafiktablett zugelegt.

Pinsel und Pinselspitzen

In der analogen Welt gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Pinselspitzen. Rundpinsel, Fächerpinsel, Katzenzungenpinsel, dann noch Schlepper oder die klassischen Borstenpinsel. Und für verschiedene Stärken braucht man jeweils einen neuen. Puh – das geht ganz schön ins Geld.

Bei digitaler Malerei simuliert der eine Stift praktisch jede erdenkliche Pinselspitze. Naja, streng genommen macht das nicht der Stift, sondern das Grafikprogramm, dass man verwendet. Ich male mit Adobe Photoshop. Das nutze ich schon seit fast 20 Jahren (Version 2 war glaube ich mein Einstieg, irgendwann Anfang der 90er Jahre).

Photoshop ist zwar recht teuer, aber man kann damit fast alles machen. Lediglich vektorbasierte Zeichnungen erstelle ich mit Flash (statt Illustrator, aber das ist ein anderes Thema).

Kurzum: Photoshop in Kompination mit einem Grafiktablett und dem dazugehörenden Stift simuliert jede Art von Pinsel.


„JAGUAR XK140 (oldtimer) Speedpainting“, von Martin Mißfeldt, 4.6.2007
Digital gemalt mit Wacom Intuos Grafiktablett und Photoshop

Unendliche Farbwelten – kostenlos und nie alle

Naja, und dann die Farben: auf dem PC hat man mit einem Klick nahezu jeden erdenklichen Farbton ausgewählt. Man muss nicht – wie bei analoger Malerei – erst die entsprechenden Farbtuben kaufen und dann anfangen zu mischen. Auf dem PC hat man einen unbegrenzten Fundus an Farbe zur Verfügung.

Zurück in die Vergangenheit

Was beim Malen sehr praktisch ist, ist „Strg-Z“. Für die, die sich nicht mit Tastatur-Kürzeln auskennen: das ist der Befehl für „Einen Schritt zurück“. Man kann also jederzeit das, was man gerade gemalt hat, wieder rückgängig machen. Und zwar nicht nur einen Schritt, sondern je nach Voreinstellung bis zu hunderte. Die Art der Fehlerkorrektur unterscheidet sich also grundlegend zwischen traditioneller Malerei und der digitalen Malerei. Bei letzterer geht man einfach in die Vergangenheit zurück und holt sich einen vergangenen Zustand. Beim Analogen Malen mit Öl- Aquarell oder Acrylfarbe geht das nicht. Da muss man retuschieren, radieren, übermalen, wegwischen und so weiter. Durch diese Art der Korrektur ist die digitale Malerei meist viel schneller fertig.

Skalierung: Bild groß oder klein zoomen

Der aus meiner Sicht entscheidende Unterschied ist jedoch die Möglichkeit der Skalierung. Das bedeutet, man kann das digitale Bild am PC vergrößern und verkleinern.

Bei echten Bildern uaf der Staffelei geht das nur in sehr begrenztem Maße, in dem man von der Leinwand  ein paar Schritte zurücktritt. Aber das MAlen selber geht eigentlich immer nur in einer bestimmten Entfernung – und das Bild ist in dieser Entfernung für das malende Auge immer gleich groß.

Am PC kann man mit Hilfe der Lupe bestimmte Bereich stark vergrößern und dann daran arbeiten – oder das gesamte Bild recht klein machen und begutachten – so als wäre es 20 Meter weit entfernt.


„F1 Crash (Speed painting)“, von Martin Mißfeldt, 10.8.2007
Digital gemalt mit Wacom Intuos Grafiktablett und Photoshop

Fazit: eigentlich viel effektiver und günstiger

Die Möglichkeit des Skalierens ist aus maltechnischer Sicht ein qualitativer Sprung, der die digitale Malerei sehr attraktiv macht.

Ansonsten ist digitale Malerei

  • viel sauberer (spritzt nicht, kleckert nicht, stinkt nicht, etc)
  • macht weniger Arbeit beim Reinigen
  • leichter zu korrigieren, dadurch schneller
  • viel billiger (weil man Farben und Pinsel ohne Ende hat)

Aber …

Aber: digital gemalte Bilder haben immer einen entscheidenden Nachteil: sie sind eben nur bits und bytes auf einer Festplatte, nur virtuelle Daten, ohne jede Form der Haptik oder Oberfläche. Auch im ausgedruckten Zustand haben sie bestenfalls die haptische Ästhetik einer Fotografie. Wie stark dieser Verlust die Vorteile der digitalen Malerei in den Keller zieht, muss jeder für sich selber beurteilen.

Ich habe vor vielen Jahren für mich erkannt, dass mich an der digitalen Malerei vor allem der Prozess des Malens interessiert – und nicht das Bildergebnis. Daher habe ich meine Bilder in aller Regel als Video aufgezeichnet, das ich als Zeitraffer-Video bei youTube hochgeladen habe.

Das Werk ist bei meiner Digitalen Malerei nicht mehr das letzte Bild des Prozesses, sondern der Prozess an sich – vom ersten bis zum letzten Bild.

Digitale Malerei

Digitale Malerei

Und? Welche Unterschiede bzw. Vor- oder Nachteile habe ich vergessen? Welches ist Euer bevorzugtes Mal-Medium? Ist die Ästhetik des haptischen Originals mit handgemachter Aura überhaupt noch ein Wert? Zumal man die Bilder heutzutage ja eh nur noch am PC via Facebook, Instagramm, Pinterest und Co. anschaut … Oder?


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Kommentare


TablettMan 20. September 2016 um 14:33

Hallo,

danke für den schönen Bericht, aber du solltest auch erwähnen, dass die Zukunft eindeutig in Richtung Digitalisierung geht und vermutlich wird das Umgehen mit einem Grafiktablett zum Alltag von Künstlern gehören ;) Nichts desto trotz… Super Beitrag :)


Reinhold J.Brückner 10. Dezember 2017 um 17:57

Als Berufsfotograf mit Meisterprüfung vor langer Zeit und jetzt nach dem Verkauf meines Studios seit einigen Jahren, habe ich mich der digitalen Malerei zugewandt. Ich verwende dabei meine analogen Bilder und die Technik der teilw. Übermalungen. Damit habe ich das befriedigende Ergebnis der Haptik in meinen Bildern erreicht. Außerdem entstehen so meine großformatigen Unikate. Erfolgreich sind auch meine geprinteten Bilder auf von mir handgemalten Untergründen. Siehe auch meine Seite http://www.fotoart-brueckner.de mit dem Link auf meine andere Webseite Großvaterland. Freue mich über Resonanz!!


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