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Künstlerbedarf: Keilrahmen

Das mit den Keilrahmen ist eine schwierige Sache: aus eigener Erfahrung weiß ich zu gut, das nichts mehr nervt als Keilrahmen, die sich verziehen. Das kann innerhalb weniger Stunden geschehen oder aber erst nach ein paar Wochen einsetzen. Das Ergebnis ist immer das selbe: Da ist nichts zu retten. Einzige Möglichkeit: Bild abspannen und neu aufspannen. Aber auch das führt meist nur zu unbefriedigenden Ergebnissen: denn normalerweise wird die Leinwand ja erst nach dem aufspannen grundiert. Die Leinwand „agiert“ in dieser Phase mit dem Keilrahmen. Wenn die Leinwand getrocknet ist, sollte aus ihr und dem Keilrahmen eine „Einheit “ geworden sein. Ablösen und Neu-Aufspannen ist suboptimal.

Keilrahmen

Keilrahmen

Das Besondere der Keilrahmen

Das Besondere an Keilrahmen sind zwei Aspekte:

  • Der Grad, durch den die Leinwand nach oben gedrückt wird, so dass sie nicht auf der gesamten Holzleiste aufliegt
  • die Steckverbindung an den Ecken, über die zwei Leisten miteinander verbunden werden. Diese Verbindung ist nur gesteckt, nicht geleimt oder genagelt. Durch diese Art der Steckung kann man den Rahmen mit Hilfe von Keilen nachjustieren, indem Keile in die Spalte zwischen den Leisten eingefügt werden.

Ich muss jedoch sagen: das nachjustieren von Keilrahmen mit Hilfe der Keile hat bei mir nie richtig funktioniert. Man kann bestenfalls kleine Dellen in den Ecken ausgleichen. Man sollte jedoch schon beim Aufspannen darauf achten, dass diese Wellen und Falten vermieden werden. Ansonsten habe ich mit fest verleimten Leisten, die auf Eck gesägt waren, ebenso gute Erfahrungen gemacht.

Keilrahmen zusammenbauen - Material

Keilrahmen zusammenbauen – Material

Keilrahmen verzogen – Ursachen

Es gibt vier mögliche Ursachen, die zu verzogenen Keilrahmen führen können.

1. Ungeeignete Leinwand / zu grober Stoff

Es gibt Bildstoffe, wie Jute oder Nessel, die beim Befeuchten mit sehr wässriger Grundierung eine enorme Spannung aufbauen. Es ist mir tatsächlich zu Studienzeiten passiert, dass das einen Keilrahmen regelrecht zerfetzt hat. Bei Formaten, die jensits von 1,5 Meter Kantenlänge sind, wirken dabei sehr starke Kräfte. Nach meiner Erfahrung sind es die „grobporigen“ Stoffe, die verhältnismäßig viel Luftzwischenräume haben, bei denen dieser Effekt auftritt. (Mehr dazu im abschnitt“ Grundierung, kommt noch)

2. Unsachgemäßes Aufspannen der Leinwand

Das Aufspannen der Leinwand bzw. des Bildträgers sollte gleichmäßig geschehen. Wenn man den Keilrahmen auf einer Seite sehr straff bezieht, und auf der anderen nur wenig, dann führt das zu einer inneren Spannung, die durch die Grundierung weiter verstärkt wird. Das kann zur Folge haben – bzw. hat meistens zur Folge – , dass der Keilrahmen entsprechend nachgibt und sich verzieht.

3. Schlechte Lagerung

Man sollte Keilrahmen-Leisten niemals aufrecht lagern, sondern immer übereinander gestapelt legen. Bei fertigen Bildern sollte man darauf achten, dass dass Bild gleichmäßig an allen Ecken angelehnt ist. Auch ein Bild, dessen Keilrahmen in einem einwandfreien Zustand war, kann sich der Rahmen durch unsachgemäße Lagerung im Laufe der Zeit verziehen.

Besonders sollte man bei der Lagerung darauf achten, dass es nicht zu kalt oder heiß und vor allem nicht zu feucht ist. Keilrahmen sind aus Holz. Man muss immer bedenken, dass dieses organische Material zu jedem Zeitpunkt mit seiner Umgebung interagiert und arbeitet. Daher am besten bei Zimmertemperatur in einem „normalen“ Raum lagern.

4. Schlechte Holzqualität – zu frisch und zu feucht

Der Hauptgrund für verzogene Keilrahmen ist meist die schlechte Qualität des Holzes. Wobei „schlechte Qualität“ in diesem Fall meint: zu feucht, weil zu frisch. Frisches Holz arbeitet noch relativ stark. Im Grunde eignet sich für Keilrahmen nur Holz, dass bereits einige Jahre gut durch getrocknet ist. Erst dann darf man die einzelnen Leisten heraus sägen. Diese Lagerung ist natürlich ein Kostenfaktor. Man kann also von Billig-Anbieter keine gute Qualität erwarten. Wer die Möglichkeit hat, sollte versuchen, einen Anbieter zu finden, bei dem man vor Ort die Lagerbedingungen und Qualitätsmaßstäben erkunden kann. Dafür eignen sich meist nur kleine Tischlereien. Das kostet dann zwar mehr, aber man kann davon ausgehen, dass die meisten Keilrahmen-Leisten auch eine gute Qualität haben.

Keilrahmen über online-Versand bestellen?

Es gibt zwei Möglichkeiten beim Keilrahmenkauf: Entweder man geht in einen Laden und sucht sich gezielt die saubersten Stücke aus. Oder man bestellt über einen online-Versand-Händler. Das Risiko beim online-Versand ist groß: man kann den Produktionsprozess meist überhaupt nicht nachvollziehen. Wer diesen Weg geht, sollte zwei Dinge beachten:

Von einem gewissen Anteil unbrauchbarer Leisten ausgehen (ca. 20%). Das hat natürlich zur Folge, dass man den Preis entsprechend nachkalkulieren muss. Die einzelne Leiste kostet dann 20% mehr.

Wie viele Leisten kaufen und wie lagern?

Ich würde immer empfehlen, eine große Menge Keilrahmenleisten zu kaufen. Erstens reduziert sich dadurch der Preis, und zweitens macht es Sinn, die Leisten selber noch ein paar Wochen oder Monate einzulagern. Denn erst dann kann man richtig erkennen, welche Leisten gut sind, und welche sich in dieser Zeit verzogen haben.

Theoretisch wäre es sogar besser, frische Leisten sofort zu verarbeiten, weil sie sich dann sozusagen noch gegenseitig ausgleichen können. Wenn man Glück hat, entsteht so ein Gefüge, dass auch später noch gut und gerade funktioniert. das Risiko ist aber hoch. Falls sich der Rahmen doch verzieht, hat man den Schlamassel.

Besser einlagern. Und zwar so, dass man immer zwei Leisten mit der Erhöhung aufeinander legt. So werden dann alle Leisten flach auf einem (ebenen) Boden gestapelt. Von oben kann man ggf. noch ein dickes Brett darüber legen, dass die Leisten gleichmäßig beschwert. Und dann heißt es warten.

Keilrahmen für Anfänger und Hobbymaler

Die beschriebene Vorgehensweise eignet sich für Fortgeschrittene natürlich besser als für Anfänger. Denn der Anfänger weiß ja gar nicht, ob er Keilrahmen für 30 Bilder oder mehr benötigt. In diesem fall ist aus meiner Sicht das Beste, in einen Künstlerbedarf-Laden in der Nähe zu gehen und sich die „geradesten“ Leisten heraus zu suchen. Dabei immer zwei Leisten mit den Rück- oder Vorderseiten aneinander legen und schauen, ob es Zwischenräume gibt.

Kreuz im Keilrahmen

Nach meiner Erfahrung ist es sinnvoll, aber einer Kantenlänge von über 100 cm den Rahmen mit einem Kreuz zu verstärken. Aber Achtung: oft sind es gerade die Kreuz-Leisten, die den Rahmen in Verzug bringen. Hier sollte man ggf. probieren, die Leisten einfach umzudrehen oder auszuwechseln.

Viel Erfolg!

Siehe auch:



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Kommentare

Frank Koebsch 23. September 2009 um 09:28

Hallo Martin.

oh, Keilrahmen… Ein nicht ganz alltäglicher Malgrund für Wasserfarbenmaler. Ich hatte mich für meine Aquarelle auch an dieses Medium getraut und habe mich im Fachhandel beraten lassen ;-). Das war eine Show – nun ja, da hatte ich oft mehr Ahnung als die Fachverkäufer. Ich kann Deine Hinweise nur unterstreichen, ob wohl ich immer fertige Rahmen gekauft habe, da ich meist auf Papier male. Aus Erfahrung kann ich folgenden Shop in Dresden empfehlen.
http://www.kuenstlerladen-dresden.de/spezkr.htm

Und einen Teil meiner Erfahrungen zum Malen mit Aquarell auf Keilrahmen können Sie in der Palette 05 / 2009 nachlesen. Unter folgendem Link finden Sie das Bild und einige in dem Artikel behandelte Frage. http://frankkoebsch.wordpress.com/2009/09/13/schritt-fur-schritt

Sorry für die Eigenwerbung ;-) Aber in diesem Fall soll sie nur andere davor bewahren, dass Sie mit billiger Ware schlechte Bilder erstellen oder die Lust am Malen verlieren.

Beste Grüße – Frank


Martin 23. September 2009 um 09:32

Hallo Frank,
ja, Läden zu empfehlen soll ja genau ein Ziel dieses Blogs sein.
Vielen Dank für die hilfreichen Hinweise.
Schöne Grüße
Martin


Ingrid 20. Februar 2020 um 15:09

Hallo Martin,

danke für die vielen guten Tipps!
Leider habe ich keine Ahnung von Malerei und gerade eben mal drauf los gelegt. Dabei natürlich festgestellt, daß sich mein
nicht eingespannter Baumwolluntergrund sehr stark gewellt hat. Hatte ihm natürlich weder vorher in Wasser eingelegt noch grundiert. Und dann erst mal schönes Aquarell drauf gesetzt

Jetzt die Frage: wellt sich die Baumwollleinwand auch, wenn sie im Rahmen gespannt ist und ich recht wässrig male? Bzw. macht es Sinn fertig aufgespannte Leinwände/bespannte Keilrahmen zu kaufen? Wellt esndann nicht mehr so stark?

Herzlichen Dank für Deine Unterstützung für Faule, die sich vorher nicht einlesen wollten ins Thema: Malerei


Martin 27. März 2020 um 15:36

Hi Ingrid,

sorry für die Verzögerung. Geht gerade etwas drunter und drüber …
Zu Deiner Frage: Baumwollstoff ist immer ungeeignet, wenn man ihn nicht „aufzieht“. Das ist normalerweise ein Keilrahmen. Aber Du kannst Die Baumwolle auch auf eine Holzplatte tackern, dann grundieren und bemalen und anschließend außen abschneiden. Das ist dann nur in der Regel etwas wabbelig und schlecht zu aufhängen geeignet.
Ansonsten gilt: die Grundierung ist entscheidend.

Für Aquerell würde ich aber sowieso nicht auf Leinwand, Baumwolle oder ähnliches malen, sondern auf Papier, am besten relativ „schwer“, so ab 180 g/m². Meist nutzt man Büttenpapier zum Aquarellieren. Aus meiner Sicht optimal sind die Papiere zwischen 200 und 280 g/m².

Viel Erfolg.


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