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Zum Tode von Ronald Searle – ein begnadeter Zeichner

Ronald Searle

Ronald Searle

Der britische Künstler und Illustrator Ronald Searle ist gestorben. Er verstarb am 30. Dezember 2011 im Alter von 91 Jahren nach kurzer Krankheit in Südfrankreich, wo er seit 1977 lebte – bereits 1961 ist er nach Paris ausgewandert. Seine „Illustruierte Weinsprache“ ist ein Beleg dafür, wie sehr Ronald Searle die französische Lebensart verinnerlicht hatte. Ich persönlich bin vor ca. 25 Jahren über den französischen Zeichner Jean-Jacques Loup auf Searle aufmerksam geworden. Loup ist vielen vermutlich von den berühmten Wimmelbildern bekannt, von denen es zahlreiche Motive als Puzzles zu erwerben gibt. Ronald Searle hat 115 Bücher illustriert – kilometerlange Linien, wie er selber sagte…

Einen besonderen Hang hatte Ronald Searle zu Katzen. Er konnte sie unglaublich charakterstark aufs Papier bringen und in ihnen ur-menschliche Schwächen und Züge aufzeigen. Oft feminin elegant, aber mit einer unglaublichen Kratzbürstigkeit im Strich, den ich fast genial nennen möchte. Eigentlich würde ich am Liebesten meine gesammelten Searle-Bücher einscannen und wiedergeben, aber aus Urheberrechtsgründen verweise ich lieber nur auf die Google Bildersuche, wo sich andere weniger Gedanken machen… (Ein Bild habe ich nun doch mal rausgesucht, um einen Eindruck zu geben. Hoffe, das geht als Zitat durch.)

Searle s Cats ride again

Searle s Cats ride again

Es ist dieser unglaublich zappelige und doch zugleich punktgenaue Strich, der mich bei Searle stets gefesselt hat. Nicht ohne Grund hat er zahlreiche Illustrationen auch im New Yorker veröffentlicht, einem Magazin, das seit Saul Steinberg zur Anlaufstelle für die  Weltelite der Zeichenkünstler und Illustratoren wurde.

Ronald Searle: Cover vom New Yorker

Ronald Searle: Cover vom New Yorker

Der (bilderlose) Wikipedia-Artikel über Ronald Searle ist relativ dürftig: „Ronald Searle begann schon im Alter von fünf Jahren zu zeichnen. Nach Schule und Lehre besuchte er für kurze Zeit eine Kunstschule, bevor er 1939 eingezogen wurde. Ab Januar 1942 war Ronald Searle in Singapur stationiert, wo er nach kurzer Zeit in japanische Gefangenschaft kam und dann zum Bau der Siam-Burma-Bahn (Death Railway) mit der bekannten River-Kwai-Brücke eingesetzt wurde. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in London als freischaffender Künstler nieder und konnte auch einige der Zeichnungen, die er in Kriegsgefangenschaft angefertigt hatte, veröffentlichen. 1947 heiratete er seine erste Frau, Kaye Webb, mit der er Zwillinge hatte. Ende der 40er Jahre führten ihn Reisen durch Europa, Amerika und Nordafrika. Viele von seinen Zeichnungen, die er auf seinen Reisen anfertigte, erschienen teilweise auch in Buchform, wie A Paris Sketchbook. Ab 1961 lebte Ronald Searle in Paris, wo er seine zweite Frau, Monica Koenig, heiratete. Seit 1977 lebt Ronald Searle in Südfrankreich.“

Wie man beim Spiegel nachlesen kann, wird Ronald Searle in seinem Heimatland Großbritannien vor allem wegen seiner skurilen Story des Mädcheninternats „St Trinian s“ geehrt. „Die kleinen, hässlichen Mädchen mit den insektenhaft dünnen Beinen bringen sich gegenseitig um, quälen einander, trinken, rauchen – und eine Moral von der Geschichte gibt es nicht.“ Das Ende der Geschichte war übriegns 1953 – 12 Jahre nach seiner Entstehung – eine Atombombenexpolsion im Physiksaal.

Mit Ronald Searle verliert die Welt einen der ganz großen Illustratoren. Welch ein großes Glück, dass ein bedeutender Teil seines Oevres im Willhelm-Busch Museum zu Hannover ein Zuhause gefunden hat. Ich gehe stark davon aus, dass es dort demnächst eine Gedenkausstellung geben wird. Und ich werde sie mir mit Sicherheit anschauen…

Hier noch ein wunderbares Interview mit dem alten Ronald Searle:

Abschließend noch einen Hinweis auf die – aus meiner Sicht – beste Website über Ronald Searle (Perpetua – Ronald Searl Tribute). Der Tribute zum Tod des Meisters ist betitelt mit „Hullo clouds, hullo sky. . .„. Dort kann man auch genüsslich in seine Bilderwelt eintauchen und immer wieder neue Illustrationen entdecken.

Auch der Guardian berichtet natürlich über Searles Tod.

Ach so, und so ganz am Ende noch eine Zeichnung von mir – aus der Zeit, als ich mich sehr intensiv mit der Kunst von Ronald Searle beschäftigt habe: „Farmer und Twister“:

Martin Mißfeldt: Farmer und Twister

Martin Mißfeldt: Farmer und Twister

Update: „Google ehrt Charles Addams mit morbidem Horror-Doodle“ im tagSeoBlog. Passt irgendwie zu Searle, auch wenn Addams nicht diese künstlerishce Qualität hat, die searle so auszeichnet.


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Kommentare


Google ehrt Charles Addams mit morbidem Horror-Doodle 6. Januar 2012 um 22:01

[…] Wer noch mehr über Searle erfahren möchte, kann diesen Artikel lesen, den ich vor einigen Tagen geschrieben habe: “Zum Tode von Ronald Searle – ein begnadeter Zeichner“. […]


Delli 25. Januar 2016 um 18:29

Sehr schöner und ausführlicher Bericht!! Richtig schön ist der persönliche Bezug den man aus dem Artikel raus lesen kann!Das Youtube video veranschaulicht noch einmal zum Abschluss alles sehr passend!
Danke!

LG

Delli


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